Herbstopen Deizisau 2009 - Teil III
Donnerstag, den 12. November 2009 um 02:35 Uhr
Talsar
Von Fünfen, die auszogen, den Schwaben das Schachspielen zu lehren …
Bericht über das Herbstopen 2009 in Deizisau
von Dirk Ripp
III. Teil
Ende gut – fast alles gut
Sonntag, 1.November
Am letzten Tag weckten wir die „Kleinen“ ne halbe Stunde früher, musste doch das Gepäck noch eingeladen und die Stuben anständig verlassen werden, sonst stünde uns die Pensionsoma aufs Dach. Nils schien das nicht ganz zu raffen, er glaubte wohl, wir kämen noch einmal in die Pension zurück, deshalb dauerte es ein wenig bis wir loskamen.
Bis ich mir dann nen Kaffee geholt hatte waren auch schon 12 Minuten auf der Uhr futsch. Aber ich sah da kein Problem, mein Gegner sah nicht besonders gefährlich aus. Kein Mädchen, und auch schon über 20 – also keine Gefahr.
Michael merkte man am heutigen Tage die Belastungen der letzten Runden an und er wirkte irgendwie ausgelaugt. Da jedoch für seine Art des Schachs - Spötter wir ich benutzen da auch ganz gerne mal liebevoll den Begriff Kaffeehausschach, aber auch nur weil wir nicht mehr so gut Varianten berechnen können – Frische und Fitness benötigt werden, sah es am heutigen morgen nicht gut aus. Eine Ungenauigkeit in der Eröffnung brachte ihn in die schwächere Stellung die aber noch genügend Remis-Tendenzen aufwies. Doch nach einstellen eines Bauern und der geschwächten Bauernstruktur war das Schwerfigurenendspiel mit schwachem Läufer gegen starken Springer nicht mehr zu halten.
Noch schneller fertig war Nils, jedoch im positiven Sinne. Sein 1753 DWZ starker Gegner wurde durch einen typischen Läufereinschlag auf f7 überrascht, und nach der Öffnung der f-Linie nahm Nils die schwarze Stellung regelrecht auseinander. 5/6, Platz 2, punktgleich mit dem Tabellenführer, gegen den er in der letzten Partie anzutreten hatte, machte uns Hoffnung, dass wir einen Turniersieger mit nach Hause bringen würden.
Johannes spielte mal wieder seine Lieblingseröffnung mit schwarz. Abgelehntes Damengambit – Bähhh, wie kann ein junger Mensch nur so eine schwerblütige Eröffnung bevorzugen? Dann schon lieber Kaffeehausschach. Aber erfolgreich is er halt damit. Zwar kam er mit einer Qualle weniger in ein Endspiel, aber dafür hatte er 2 Bauern bekommen. Mit Unterstützung seines starken Läufers gelang es ihm den c-Bauern schnell nach vorne laufen zu lassen und der Gegner hatte nichts anderes mehr als einen Turm dafür zu geben. Figur mehr – Partie abgehakt. Von wegen – irgendwann war es remis? Wie das? So genau wollte Johannes es nicht sagen, verständlich sein Ärger die Partie nicht gewonnen zu haben, aber es motivierte ihn zusätzlich für die letzte Runde, denn 50% war sein Ziel und dafür musste in der letzte Runde ein ganzer Punkt her.
Die 50% wurden auch von mir angepeilt und ich brachte meinen Gegner bereits nach 2 Zügen !! aus der Eröffnungstheorie. Das Problem war, dass ich die Variante nur bislang im Blitzen gegen Cridler auf dem Brett hatte. Und wie wir ja mittlerweile alle wissen …… Die Folge war, ich fand mich in einem schwierigen Mittelspiel wieder, mit 3 Bauern weniger, aber ein bisschen Spiel, naja, ein bisschen mehr wahrscheinlich schon. Dazu kam noch etwa eine Stunde Zeitvorteil. Ich wollte schon das Zeichen für auswechseln machen und Michael an mein Brett setzen, denn ich war mir sicher, wenn es noch was gäbe, er hätts gefunden. Glücklicherweise fand ich einige einzige Züge, und plötzlich fiel eine Figur aus der Stellung ohne dass mein Angriff stoppte. Die Kapitulation meines Gegners kam en passant.
Gehen wir weiter und widmen uns dem wirklichen Schach. Zeier – Strunski (DWZ 2338) Klaus geriet zum ersten Mal in überhaupt in diesem Turnier in den geschlossenen Sizilianer (gäähnnn). Doch was machen Strunz? Spiele wie Flasche leer. Vielleicht war er ja müde? Auf alle Fälle genügte Strunski ein gefährlicher Freibauer nicht um Klaus einzuschüchtern, und nach langem harten Kampf musste die Nachwuchshoffnung die Segel streichen. Der erste volle Punkt für Klaus gegen einen 2300er. Chapeau!
Die Stimmung vor der Abschlussrunde war bei uns allen unterschiedlich. Michael war lustlos und müde und wollte eigentlich nimmer, Klaus ein wenig abgekämpft aber sehr mit sich zufrieden, Johannes etwas verärgert ob seiner Vormittagspartie, ich war müde aber trotzdem in Kampfstimmung (keine Remispartie bisher!) und Nils unentschlossen.
Unentschlossen? Warum das? Er saß am ersten Brett und wenn er gewann war er Turniersieger. Doch es schien ihm ein bisschen der Mut zu verlassen, er hatte bisher ein klasse Turnier gespielt und mit einem Remis war er möglichweise ganz vorne mit dabei. Sollte er das Remisangebot seines Gegners annehmen? Hätten wir Vassil dabeigehabt wäre es klar gewesen. Vassil hätte Nils ein Remis verboten und gesagt, dass er besser verlieren sollte, als sich die Chance auf den Turniersieg nehmen lassen. Doch der kämpferische Ex-Grieche war nicht dabei und so war niemand da, der Nils zum Turniersieg prügelte. Die Annahme des Remisangebots bescherte Nils mit 5,5/7 Platz 4 im B-Turnier, Platz 2 in der Jugendrangliste und einen DWZ-Zugewinn von 138 Punkten. Gratulation, das war eine reife Leistung.
Der nächste der das Turnier beendete war ich. Doch ein ganz frühes Remis? Mein Gegner hatte etwa meine DWZ und mit Weiß wollte ich nochmal was holen. Doch mein Gegner tat mir den Gefallen nicht – er kam nicht, Frechheit sowas. In der letzten Runde saß ich allein vor meinem Brett und trauerte meinen verlorenen Punkten nach. 3/6, Platz 50 und einem Verlust von 10 DWZ – Punkten. Glück gehabt – das hätte noch viel schlimmer kommen können.
Kurz nach mir wurde Johannes fertig. Sein Gegner hatte eine DWZ von 1622 und begann mit 1. g3. Da dachte ich mir insgeheim, jetzt wird unser Pflaumenboss mal so richtig fertiggemacht. Von wegen. Johannes lachte seinen Gegner regelrecht aus, denn wer zieht schon 1. g3? In unglaublich überheblicher Manier spielte Johannes seinen 55-jährigen Gegner nach nur 15 Zügen an die Wand. Als die Niederlage dann nicht mehr abzuwenden war verließ der geknickte Gegner ärgerlich vor sich hin brabbelnd und ohne Gratulation den Turniersaal. 3,5/7 und Platz 36 im B-Turnier mit einem DWZ-Zugewinn von 194 rundete das Turnier für Johannes ab. Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, ich hätts nicht geglaubt.
Für Michael gings dann endlich in die letzte Runde. Doch wem saß Michael gegenüber? Einem zappeligen 11-jährigen, der kaum übers Brett schaun konnte mit einer DWZ von 1863. Wie nicht anders zu erwarten war der kleine Mann kein bisschen müde und spielte konzentriert auf. Doch Michael kämpfte. Es gelang ihm trotz schlechterer Bauernstruktur so etwas wie eine Blockadestellung aufzubauen, die sein Gegner nur durch Aufgabe des Läuferpaares aufbrechen konnte. Von seinem Läuferpaar wollte der sich aber nicht trennen (ich versteh das) und willigte in ein Remis ein. 3/7 Punkte, Platz 80, ein DWZ-Verlust von 9 Punkten, auch das war im Rahmen. Wenn man mal davon ausgeht, dass die DWZ der Kids nicht ihre wirkliche Spielstärke wiederspiegelt, dann kann sich das Ergebnis sehen lassen. Wie stark das Turnier wirklich besetzt war, zeigt das Abschneiden von Schachfreund Antritter, der nur auf 2 Remisen kam und 5 Verlustpartien aufzuweisen hatte, bei einem DWZ Verlust von 50 Punkten.
Last but lange nicht least kommen wir zu unserem wirklichen Star in Deizisau. Dass ein 2300er keine Gefahr mehr für Klaus darstellt wissen wir spätestens seit diesem Turnier. Kleine Vorteile reichen eben nicht mehr um Klaus umzuhauen, auch wenn der Versuch löblich erscheinen mag, gegen Klaus reichts eben nicht aus. So spielte FM Gheng zwar noch lange munter weiter, Michael und der Pflaumenboss hatten sich schon gen Pfinztal verabschiedet und waren dort wahrscheinlich schon angekommen, bevor die Partie dann mit Remis beendet wurde. 5/7 und Platz 16 mit einem DWZ Gewinn von 41 Punkten schlossen das bisher beste Turnier von Klaus ab.
SV Pfinztal – Familie Gheng 1,5:0,5
Endstand am 4. Tag: 6/9 – sehr respektables Abschlussergebnis
Bei der Siegerehrung durfte Nils seinen ersten ernsthaften Geldpreis entgegen nehmen und während der Ehrungen saß Turniersieger IM Ilja Schneider neben uns. Seine Letztrundenpartie gegen R.Strohhäcker war mal das Abgefahrenste an Schach was ich seit langem Live erlebt habe. Wir sprachen ein wenig über seine Partie (1. e4 Sc6 2. Sf3 f5 !? unglaublich) und er erklärte uns ein paar Details seiner Partie. Ein sehr sympathischer Turniersieger, ich wünsche ihm noch viel Erfolg für seine Zukunft.
Letztendlich steht noch das Duell gegen die Schwaben aus:
Klaus – Schwaben 4,5/5
Schnippel – Schwaben 2/5
Michael – Schwaben 2/4
Nils – Schwaben 2,5/4
Johannes – Schwaben 1,5/3
Endstand:
Pfinztal – Schwaben 12,5: 8,5
Ich bezweifle zwar, dass es uns gelungen ist, den Schwaben das Schachspielen zu lehren, aber ich denke einem neuerlichen Versuch im nächsten Jahr sollte nichts im Wege stehen.
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 12. November 2009 um 22:16 Uhr
Herbstopen Deizisau 2009 - Teil II
Montag, den 09. November 2009 um 00:18 Uhr
Talsar
Von Fünfen, die auszogen, den Schwaben das Schachspielen zu lehren …
Bericht über das Herbstopen 2009 in Deizisau
von Dirk Ripp
II. Teil
Schlimmer geht’s nimmer oder
Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn
Samstag, 31. Oktober
Nachdem wir am vergangenen Abend unseren Erfolg ausgiebig gefeiert hatten - auf diesem Weg hier nochmals einen herzlichen Dank an Papa Pflaumenboss, der unserem Team monetäre Unterstützung zugedachte – fiel es dem ein oder anderen schwer die richtige Position im Auto zu finden. Unsere beiden Jüngsten rangelten sich permanent um die günstigste Sitzposition, Klaus nahm alles recht gelassen zur Kenntnis, während Michael und ich nur den Kopf schütteln konnten. Nachdem Klaus auch noch erklärte, die Beiden hätten noch bis in die Puppen analysiert schien sich eine interessante 4.Runde anzubahnen.
Der Pflaumenboss hatte uns für den heutigen Tag ein 6,5:3,5 angekündigt, doch diesmal kam alles ganz anders. Klaus bekam es an Brett 2 und dazu Live-Übertragung im Net mit IM Gschnitzer (Elo 2430) zu tun. Für viele Spieler mag das eine leichte Partie sein, man hat nix zu verlieren. Nicht aber Klaus, denn der scheint gegen stärkere Gegnerschaft regelrecht aufzublühen. Er hielt lange eine ausgeglichene Stellung und rutschte dann doch in ein leicht schlechteres Endspiel. Da aber Klaus im Gegensatz zu mir Doppelturmendspiele behandeln kann, verteidigte er mit allem was noch auf dem Brett verblieb seinen halben Punkt. IM Gschnitzer gratulierte artig, und meinte scherzhaft, dass die Elo von Klaus noch ein wenig Nachholbedarf hätte.
Weniger gut machte es dagegen Johannes. Gegen den erfahrenen Ettlinger Mannschaftsführer Uwe Weber hatte er zwar den ein oder anderen Bauern mehr, aber die Erfahrung des Routiniers setzte sich gegen unseren Jungspund durch. Erst schnappte er ihm die Qualle weg und dann die Partie. Vielleicht hätte ein wenig mehr Schlaf geholfen?
Genügend Schlaf dagegen fand Michael und das machte sich schnell bemerkbar. In einer sibirischen Variante (Morra – was sonst?) brachte er eine Neuerung. Ein Springeropfer das wie eine häuslich vorbereite Variante aussah brachte soviel Druckspiel, dass trotz der mittlerweise zwei fehlenden Figuren das 2100 Elo-Gewicht kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Den Gegner fast im Mattnetz gefangen beging Michael einen Rechenfehler und der Gegner entwischte ins Remis, denn mehr als Dauerschach kam dann nicht mehr bei raus.
Bei Nils lief alles wie man erwarten konnte. In einer Nebenvariante der Skandinavischen Partie eroberte er eine Figur für 2 Bauern und nachdem er etwas Druck aushalten musste gelang es ihm die Partie sicher nach Hause zu fahren. Jetzt kam es auf mich an. Bisher hatten wir 50% geholt, mein Sieg gegen ein 14-jähriges Mädchen sollte nur Formsache sein. Mit soliden Zügen versuchte ich die Kleine einzuschüchtern, ganz souverän wollte ich am Brett wirken. Die einzige Person aber, die souverän spielte war sie. Plötzlich standen mir alle meine Figuren im Weg rum und wie ein zahnloser, alter grauer Wolf saß ich verkniffen am Brett. Keine meiner Figuren konnte mehr ziehen und dann entschloss ich mich zum Königsangriff. Einem Bauernopfer folgte ein Qualitätsopfer, die weitere Schmach ist schnell erzählt. Nix ging, Damen getauscht – Partie weg, 1 aus 4 – keine Erdspalte wäre groß genug gewesen in Ihr zu versinken. Was nun? Heimfahren? Mit Schach aufhören? Denn schlimmer geht nimmer. Doch, es kam schlimmer. Wer erwartete mich am Nachmittag? Schachfreund Dieter Antritter, der auch mit nur 1 aus 4 gestartet war. Wenn ich das noch verlor, hätte dies fast die Dimension angenommen wie der nur Insidern bekannte Dreikampf zwischen Bernie Schibula, Grammond McTorwick und dem seligen K.-K. Glücklicherweise hatte Caissa ein Einsehen und schenkte mir den vollen Punkt. Gibt es einen Gott? Zumindest eine Schachgöttin hat es an diesem Tag gegeben.
Die zweite Partie von Johannes ist schnell erzählt. Bauer mehr, Zeit weniger, Remis angeboten, angenommen - Remis. Nils machte es wieder einmal besser. Gegen C. Gheng, Sohn des FMs Josef Gheng gelang es ihm in einer Drachenvariante einen starken Angriff am Damenflügel zu inszenieren. Erst fiel der c-Bauer raus, dann eine Figur. Wenn die Mama oder Trainerin des Kleinen Gheng ihm nicht immer den Stift aus der Hand genommen hätte, weil dieser anfing auf dem Partieformular ein wenig zu zeichnen, dann hätte dieser sich vielleicht besser konzentrieren können. Bei unserem 2. Vorstand sieht man ja, wie gut einem das tun kann, während der Partie das ein oder andere zu notieren.
Michael geriet in seiner 2.Partie an diesem Tag ohne Not in Stellungsnachteil was ihn zu einem Qualitätsopfer nötigte. Das natürlich nicht ganz korrekte Opfer brachte etwas Kompensation und schließlich stellte der Gegner Material ein. Michael sah eigenen Aussagen zufolge jedoch Gespenster, obwohl das an diesem Tag eigentlich völlig normal sein sollte, und verschenkte einen halben Punkt. 2 verschenkte halbe ergeben auch einen Verlustpunkt und Michael war nicht ganz zufrieden.
Klaus saß mal wieder auf der Empore, am dritten Brett gegen IM R. Strohhäker (Elo 2443). Zu seiner Freude kam die „Cridlervariante“ aufs Brett. Für alle die es nicht wissen, es handelt sich um eine Variante im Preussischen, die Klaus und Cridler bestimmt schon aberhundertmal geblitzt haben. Doch für die wenigsten überraschend behandelte Raoul die Stellung um einiges genauer als Cridler. Die Folge war, dass Klaus in einer schlechteren Stellung durchdrehte und massenweise Material opferte. Der am Ende der Variante übersehene Figurenverlust beendete die Partie.
Endstand am 3. Tag: 5/10 Mannschaftsremis.
Zwischenstand nach 5 Runden:
Nils 4/5 mit guten Chancen auf eine Platzierung auf dem Treppchen
Klaus 3,5/5 gegen 2 IMs und einen 2300er. Das war schon klasse
Michael 2,5/5 mit etwas mehr Fortune wäre da mehr drin gewesen
Johannes 2/5 langsam brach der „Kleine“ ein - endlich ...
Lutschie 2/5 schlecht gespielt aber das Fiasko vermieden
Auch an diesem Abend ließen wir es uns nicht nehmen ein wenig zu feiern und gut gelaunt gingen wir den letzten uns verbleibenden Tag in Deizisau an.
Teil III demnächst hier auf dieser Seite
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 09. November 2009 um 00:20 Uhr
Herbstopen Deizisau 2009 - Teil I
Sonntag, den 08. November 2009 um 04:36 Uhr
Talsar
Von Fünfen, die auszogen, den Schwaben das Schachspielen zu lehren …
Bericht über das Herbstopen 2009 in Deizisau
von Dirk Ripp
Der Tag an dem das Unheil seinen Anfang nahm.
Donnerstag, 29.Oktober
Ein Schachverein hatte einmal viele talentierte Jugendliche, wovon zweie sich anschickten einen Teil Ihrer Herbstferien zu opfern, um sich in der Kunst des Schachs zu üben. Dazu gesellten sich die Mannschaftsführer der I. und II. Mannschaft des Vereins und auch der Jugendleiter schloss sich an. Zu fünft zogen sie nun gen Stuttgart, Deizisau um genau zu sein.
Dank des Navigationssystems gelang es uns tatsächlich die Pension zu finden und der erste Eindruck unserer Unterkunft ließ zuerst einmal einige Zweifel aufkommen. Sollten wir es wirklich 3 Tage dort aushalten? Zur Not würde man eben in ein Hotel umziehen müssen, so der Tenor.
Kurz ausgeladen und zum Turnier gesaust, war die erste Runde doch schon gegen 17.30h angesetzt, ging es dann schon am ersten Abend richtig zur Sache.
Klaus Zeier, Mannschaftsführer der ersten Mannschaft und stärkster Spieler der Truppe, wurde mit Schwarz gegen einen schwachen Spieler mit DWZ 1664 gelost. Kaum zu glauben, dass er nach einem Fehler im frühen Mittelspiel in eine leicht schlechtere Stellung gelangte, die er dann in ein ausgeglichenes Damenendspiel abwickelte. Mit mehr als einem Remis war da nicht zu rechnen.
Immerhin mehr als bei Michael Kayser und Dirk Ripp die ebenfalls im A-Open antraten. Beide erwischten mit Schwarz einen zu starken Gegner der sie recht schnell in unbekannte Gewässer manövrierte. Der unbekannte Zeitmodus (90 Minuten plus 30 sek. pro Zug) tat sein übriges. Zero Points.
Nicht besser machte es unser Benjamin, Johannes Dunsche, alias Pflaumenboss. Im B-Turnier angetreten war er mit seiner schwachen Wertungszahl an letzter Position gesetzt. Er konnte mit schwarz in einer spanischen Partie leicht Ausgleich erzielen, stellte dann aber als er gerade dabei war den Druck zu erhöhen, zweizügig einen Läufer ein. Die Null ließ dann nicht mehr lange auf sich warten.
Einzig Nils Heck gelang es, in einem Königsinder den im B-Turnier an 5 gesetzten C. Kahl mit einem klassischen Königsangriff auseinander zu nehmen. Der sehr sympathisch wirkende Gegner musste dann in einem aussichtslosen Endspiel die Segel streichen.
Doch das war wider Erwarten nicht der einzige volle Punkt. Klaus war nämlich nicht remislich gestimmt und spielte das Endspiel weiter und weiter und weiter, bis … ja bis es eben gewonnen war.
So verloren wir zwar in der Gesamtwertung mit 2:3, doch ließ uns der morgige Tag hoffen, ein besseres Gesamtergebnis zu erzielen. Da sich die erste Runde durch den späten Beginn lange hinzog war am ersten Abend mit allen nichts mehr anzufangen und mehr oder weniger friedlich klang der Tag aus.
Freitag, 30. Oktober.
Der Tag, an dem sich das Unheil fortsetzte.
Johannes nahm uns angesichts unseres schlechten Erstrundenergebnisses in die Pflicht und forderte 7 von 10 Punkten. Eine kaum zu lösende Aufgabe könnte man meinen – aber der Pflaumenboss behielt recht!
Denn kaum die Figuren richtig aufgestellt gewann Klaus schnell und problemlos. Bei Johannes dauerte es etwas länger, er gewann in einem ausgeglichenen Endspiel einen Turm und die Partie.
Michael hatte mal wieder ne richtige Kayserstellung auf dem Brett. Morra-Gambit mit Übergang in eine gute Mittelspielstellung, also eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der Gegner zusammenbrechen würde. Und auch ich hatte meinen etwa gleichstarken Gegner im Mittelspiel überspielt und wickelte in ein leicht gewonnenes Doppelturmendspiel ab.
Nils hatte es da schon etwas schwerer. Zum ersten Mal in seinem Leben saß er schachspielend einer Frau gegenüber. In etwas besserer Mittelspielstellung stellte er ohne erkennbaren Grund zweizügig eine Figur ein, was die erfahrene Dame konsequent nutzte und Nils eine Niederlage beibrachte.
Dann stellte Michael die Partie ein, aber es gelang ihm dann doch noch in ein gleiches Endspiel abzuwickeln. Remis.
Die Krönung des Vormittags war jedoch meine Behandlung des Doppelturmendspiels. Ich wage zu behaupten, dass selbst Herr Löffel die Partie nach Hause gefahren hätte, und selbst unser Vorstand hätte in höchster Zeitnot nicht solche folgenschweren Fehler begangen wie ich sie machte. Aus einem leicht gewonnen Doppelturmendspiel (Fritz +4,5) machte ich eine Verlustpartie und wusste nicht mehr ein noch aus. Sogar mein Gegner konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Das Turnier hätte schlechter für mich nicht beginnen können.
Kaum war meine Partie vorbei wurde auch schon die nächste Runde vorbereitet. Deshalb blieb mir kaum noch Zeit mich über die verlorene Partie zu ärgern, kurz was gegessen und weiter gings.
Als erster aus seinem Nachmittagsschlaf gerissen wurde Klaus, der sich mit einem Läufereinschlag auf f7 konfrontiert sah. In einer ihm bekannten Theorievariante im Breyer-System schien er seinen Augen kaum zu trauen. Lediglich eine korrekte Verteidigungsleistung mit ein paar genauen Zügen reichte ihm dann aus, um seinen 2287 DWZ starken Gegner umzuhauen. 3 aus 3, davon 2 Schwarzpartien, das Turnier begann sich zu entwickeln.
In die andere Richtung schien es für Michael zu gehen. Ein Jugendspieler packte die gleiche Variante wie in der ersten Runde aus und trotz besserer Vorbereitung wurde aus weißem Raumvorteil schnell ein Stellungsvorteil, den der junge Gegner nur noch durchbringen musste. Doch heterogene Rochaden ergeben immer mal wieder taktische Chancen und nach einem geschickten Qualitätsopfer wurde das einfallsreiche Spiel mit dem Fang der Dame belohnt. So erzielte Michael bislang 1,5 aus 3 Partien. Ein sehr guter Schnitt.
Der dritte Gegner von Johannes hieß C. Kahl. Genau, der sehr sympathische Spieler der es in der ersten Runde mit Nils zu tun bekam. Und er tat mir schon leid. Denn auch gegen Johannes lief es nicht wie erwünscht. Nachdem Klaus am gestrigen Abend Johannes noch eine solide Aufstellung gegen das Damengambit zeigte, setzte dieser es am heutigen Tag postwendend um. C. Kahl gelang es nicht etwas zählbares herauszuholen und Johannes erklärte sich mit Remis einverstanden, weil er meinte, sein Gegner sei sehr nett gewesen. Für Johannes bedeutete dies 1,5 Punkte aus 3 Partien. Für jemanden in der Setzliste am Schluss platzierten eine erstaunliche Leistung.
SV Pfinztal Jugend– C.Kahl 1,5 : 0,5
Um nun auf 7 Punkte für den heutigen Tag zu kommen mussten Nils und ich gewinnen. In meiner Spezialvariante gelang es mir meinen Gegner in ihm unbekannte Strukturen zu verwickeln die er dann aus einem gleichen Endspiel heraus verlor. Ein versöhnlicher Abschluss des Tages, doch mit 1 aus 3 war ich nun der Lutschie der Gruppe, denn die Stellung von Nils war Remis – meistens jedenfalls. In einer Sizilianischen Eröffnung wurde der Druck so groß, dass ein Bauer dafür raussprang. Das Turmendspiel mit Mehrbauer, das von Nils mangels besseren Wissens angestrebt wurde konnte bei bestem Spiel gehalten werden. Aber Turmendspiele haben ihre eigenen Gesetze, und da Nils von seinem Sieg überzeugt war, tat ihm sein Gegner den Gefallen und verschenkte das Remis. Macht 2 aus 3.
Endstand am 2. Tag: 7/10 – die Vorhersage vom Pflaumenboss traf genauestens ein.
Zwischenstand nach 3 Runden:
Klaus 3/3
Nils 2/3
Michael 1,5/3
Johannes 1,5/3
Lutschie 1/3
Fortsetzung folgt
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 08. November 2009 um 04:40 Uhr
Zweiter Spieltag Bezirksklasse Pfinztal II - KSF V
Dienstag, den 03. November 2009 um 19:43 Uhr
Michael Kayser
Am zweiten Spieltag bekamen wir es mit dem KSF V zu tun, eigentlich waren wir klarer Favorit, jedoch wussten wir beim aktuellen Gegner nicht, wen sie noch mit sicherlich regelkonformen Kniffen aus dem Hut zaubern und wie sie ihre zahlreichen Mannschaften durchschütteln werden. Einen interessanten Bericht hierzu gab es zuletzt in Jöhlingen zu lesen.
Doch waren unsere Befürchtungen umsonst, denn nachdem die Aufstellungen festgelegt waren, hatte ich eigentlich keine Sorge mehr, wer als Sieger aus dem Mannschaftskampf hervor gehen wird.
Michaels Gegner an 3 war allzu passiv, hatte seinen Angriffen bald nichts mehr entgegen zu setzten und es stand schnell 1:0. Gerald (2) hatte sich auf einen offenen Schlagabtausch mit seinem Gegner eingelassen und zu meiner Überraschung musste er zum zwischenzeitlichen Ausgleich die Segel streichen. Trotz den Ausgleichs liesen wir uns jedoch nicht von unserem Ziel eines klaren Sieges abbringen und es zeigte sich, das der deutliche DWZ-Vorteil schnell zum tragen kam.
In recht einseitigen Partien konnten Ralf (8), Stephan (7) Dirk (1) und Michael (6) ihre Partien gewinnen und uns uneinholbar in Front bringen. Etwas Sorge bereiteten lediglich Leander uns Nils. Leander unterschätzte im einem spannenden Endspiel mit Mehrbauer und Läufer gegen Springer die gegnerischen Möglichkeiten, jedoch übersah auch der Gegner die eigenen Chancen und so ging auch dieser Punkt letztenendes verdient an uns. Schliesslich spielte nur noch Nils an 5. Als ich schon mit einem Remis rechnete, stellte sein Gegner noch eine Figur ein, und wir kamen zu einem deutlichen, wenn auch vielleicht um einen Punkt zu hohen 7:1 Erfolg.
Der nächste Gegner Blankenloch wird es uns sicher nicht so einfach machen.
Ripp - Karzenburg 1-0
Fischbach - Fritz 0-1
Kayser - Klemens 1-0
Hirschberg - Meifert 1-0
Heck - Bechthold 1-0
Teutsch - Stobbe 1-0
Schade - Theuns 1-0
Gassner - Bykov 1-0
MK
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 04. November 2009 um 05:49 Uhr
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